Energie-Sparen mit System – ein Praxisbericht

Die Energiekosten in Kliniken belaufen sich im Schnitt auf 3 Prozent des Umsatzes und entscheiden daher mitunter über Gewinn oder Verlust eines Hauses. Mit einem systematischen Ansatz in nur 3 Schritten lassen sich diese Kosten um ein Drittel senken.

 

Prolog
Eine Klinik interessiert sich Ende 2016 für Möglichkeiten Energiekosten durch intelligente Maßnahmen und Investitionen zu reduzieren. Ein Energieaudit nach DIN EN 16247 brachte keine praktischen Einsparungen sondern lediglich den Nachweis über die absolute Höhe der Energiekosten und deren Aufteilung.

Zahlreiche Fragen blieben offen:
Sind es die hohen Energiepreise?
Wären Investitionen sinnvoll?
Allein das Alter der Heizungs- und Lüftungsanlagen würde Investitionen rechtfertigen.
Doch wo genau sind die Hebel?
Wer kann das Projekt begleiten?
Gibt es Fördermittel?
Wo sind erhaltende Maßnahmen sinnvoll?
Wie erfolgt die Finanzierung?

Schritt 1: Energie-Prognose
Im Dezember 2016 entdeckte der Energiemanager das Angebot des Europäischen Instituts für Energietechnik eine kostenfreie Energie-Prognose auf Basis einer ScoreCard-Analyse durchzuführen. Den Online-Fragebogen hatte er binnen 15 Minuten ausgefüllt.
Noch vor den Weihnachtsferien meldete sich ein Mitglied des Instituts, ein lizensierter Energie-Effizienz-Berater, und stellte die Auswertung vor. Mit der Energie-Prognose erhielt die Klinik konkrete Größenordnungen zum Umfang der Einsparpotenziale, separiert nach einzelnen Bereichen. Damit war bereits eine der Schwerpunkte möglich.

Schritt 2: Energie-Gutachten
Nun interessierten sich die Verantwortlichen für eine betriebswirtschaftliche Bewertung der Themen und beauftragten ein Energie-Gutachten. Die Termine der Spezialisten wurden so koordiniert das der Ressourceneinsatz für den Auftraggeber minimal war. Innerhalb 1 Woche fanden neben mehreren Begehungen auch ein Workshop zur Prozessoptimierung statt und die Installation von Messtechnik zur Erstellung eines Minuten-Lastprofils. Experten errechneten eine Einsparquote von 27 Prozent und recherchierten Fördermittel und Finanzierungsvarianten. Das Energie-Gutachten wurde innerhalb von 4 Wochen erstellt.
Ende Januar 2017 lagen dem Unternehmen für jeden einzelnen Bereich Aufwand und Nutzen, und damit der ROI, als auch die Opportunitätskosten basierend auf einer Lebenszyklusanalyse vor. Damit war die Klinik perfekt für den 3. Schritt gerüstet.

Schritt 3: Umsetzung
Im nächsten Termin Mitte Februar wurde der Projektplan aus dem Energie-Gutachten konkretisiert und als erste Teilprojekte Beschaffungsoptimierung, Energie-Monitoring und Beleuchtungsoptimierung definiert, da diese über die kürzesten Amortisationszeiten verfügten. So lassen sich nach kurzer Zeit bereits signifikante Kostensenkungen erzielen, eine gute Basis für eine nachhaltige Unterstützung durch die Klinikleitung.
Das Instituts-Mitglied koordinierte die Termine mit den Spezialisten als externer Projektsteuerer. Innerhalb einer Woche lagen deutlich günstigere Angebote zur Beschaffungsoptimierung vor. Aufgrund der Vertragslaufzeiten konnten die Konditionen zwar sofort vereinbart, Einsparungen können jedoch erst ab 2018 realisiert werden. Parallel wurden für das Energie-Monitoring virtuelle Energiekonten eingerichtet, so das eine zeitgleiche Verbrauchskontrolle möglich ist und nun alle Abrechnungen kontrolliert werden können. Das spart 1 Tag Arbeit pro Monat in der Buchhaltung.
Die Beleuchtungsoptimierung begann nach einer Lichtplanung mit der Bemusterung einer Etage im neuen Bettenhaus. Wenig genutzte Räume werden aus Kostengründen mit Retrofits ausgestattet, stark frequentierte Bereiche mit Panels, Sensorleuchten und Linienlicht. Noch in der Abstimmung befinden sich die Patientenzimmer aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Leuchtmittel.
Alle bisherigen Termine fanden mit minimalem Zeiteinsatz für den Auftraggeber statt, bislang gab es keine Reibungsverluste für den Klinikbetrieb.

Ausblick
Inzwischen hat sich die Klinik für den Blue Award angemeldet. Grundidee ist ein bundesweiter Wettbewerb für mehr Energie-Effizienz und damit eine deutliche Reduzierung der CO2-Emissionen. Darüber hinaus besteht hier die Möglichkeit der CO2-Kompensation ohne Zertifikate, denn 1 Hektar Wald bindet circa 10 Tonnen Treibhausgase pro Jahr.